Team-Lehrkraft – flexible Lösung in einer herausfordernden Zeit

Das Schuljahr 2019/20 brachte einen Einschnitt, eine Veränderung, die keiner von uns in dieser Art und in diesem Maß je für möglich gehalten hatte. Als berufstätige Mutter von zwei Kindern, damals 5. Klasse Gymnasium und 3. Klasse Grundschule, galt es ab dem Zeitpunkt des Lockdowns den Schulalltag mit den Kindern zusammen zu gestalten. Nach einiger Zeit hatte sich alles gut eingespielt, die medialen Lösungen boten soweit wie möglich, zumindest das Grundgerüst für das sogenannte „Homeschooling“. Als Elternsprecherin war ich in der 3. Klasse meines Sohnes viel im Gespräch mit den Lehrerinnen, sah die Probleme plötzlich aus einer anderen Perspektive und konnte so die Schwierigkeiten beim Umsetzen des Lehrstoffes begreifen. Soweit so gut, das Schuljahr lief und in der gemeinsamen Anstrengung von Lehrkräften, Eltern und Schüler wurde in unseren Klassen der größte Teil des Stoffes abgearbeitet. Doch ich war persönlich beeindruckt, mit welchem Einsatz die Lehrer und Lehrerinnen sich in dieser harten Zeit um die Kinder und deren schulisches Weiterkommen kümmerten. In unserem Fall waren es durchwegs positive Erfahrungen und wir waren sehr dankbar.

 

Im Sommer, als wir das Schlimmste hinter uns wähnten, wurde ich von einer Kollegin auf die Möglichkeit als Team-Lehrkraft in den Schulen aktiv mitzuhelfen angesprochen. Mit meinem Hintergrund als englische Muttersprachlerin und studierte Anglistin, schien es mir eine konkrete Möglichkeit, meinen Beitrag an einer Schule zu leisten. Warum? Weil mir durch das „Homeschooling“ bewusst wurde, wie Kinder von motivierten und entspannten Lehrern profitieren oder eben im Gegenteil unter überlasteten Lehrkräften, endlosen Vertretungsstunden und dem Aufteilen in andere Klassen leiden und schulisch und sozial verlieren.

 

Nach gefasstem Entschluss ging alles ziemlich schnell. Das Schulamt des Landkreises München vereinbarte ein Vorstellungsgespräch mit mir und kurz danach kam auch schon der Anruf mit konkreten Vorschlägen für meinen Einsatz: 8 Stunden Englisch-Unterricht an der Grundschule Lochham. Wie soll das nun funktionieren, Unterricht halten ohne pädagogische Ausbildung? In meiner beruflichen Laufbahn als Public Relations Managerin in einem großen IT-Konzern, hatte ich gefühlte 1000 Mal Präsentationen gehalten. Doch unterschied sich nun das Publikum im Wesentlichen darin, dass es sich früher ausschließlich um interessierte Erwachsene handelte, die im besten Fall auch noch auf die von mir präsentierten Inhalte direkt angewiesen waren.

 

Ich hatte wieder großes Glück, eine erfahrene Lehrkraft vertreten zu dürfen, die mich im Schnelldurchlauf an mein neues Aufgabengebiet heranführte. Einen Coach an meiner Seite, der nicht nur den Unterricht perfekt vorbereitet, sondern mir auch viel zur Klassensituation und den einzelnen Kindern sagen konnte. Soweit fühlte ich mich gewappnet und motiviert, an einem Dienstag im Oktober meine erste Stunde zu halten.

 

Und es lief gut, die Kinder empfingen mich freundlich und interessiert und wir kamen mit meinem präzise ausgearbeiteten Aktionsschema gut durch. Ich war erstaunt, wie es sich anfühlte mit Kindern die Unterrichtsinhalte zu erarbeiten und wie unglaublich motivierend es sein kann, wenn man die Fortschritte im Laufe der Wochen deutlich sehen kann. Mein „Publikum“ war in erster Linie fröhlich und motiviert, doch massiv kritisch und strafend bei der kleinsten Unachtsamkeit. Wie bringe ich eine Klasse außer Rand und Band wieder dazu mir zuzuhören? Was mache ich bei einem offenen Konflikt zwischen zwei Schülern, die die ganze Klasse mithineinziehen? Warum weint der Junge in der 2. Reihe? Wie funktioniert das Whiteboard? Wo kann ich meine mitgebrachte Musik abspielen? Warum funktioniert etwas in der einen Klasse und warum lehnt die andere Klasse es ab?

 

Hunderte Fragen an jedem einzelnen Unterrichtstag. Wie dankbar bin ich, um unheimlich nette und offene Kollegen und so viele gute Gespräche mit den Lehrkräften, die mir immer wieder neue Ideen und Tipps geben.

 

Mein Unterricht ist sicher nicht der hochwertigste, doch den Stoff bekommen wir dank meiner Coach-Lehrkraft super aufbereitet und wir arbeiten uns stetig durch. Mein Unterricht ist sicher auch nicht der pädagogischste, doch hören und sprechen die Kinder sehr viel Englisch von und mit mir. Mein Unterricht hat sicher fachliche Lücken, doch meine Motivation ist hoch und ich bin stets bereit dazu zu lernen und setze Vieles sofort um. Mein Unterricht ist das Beste was ich bieten kann, fachlich, menschlich und professionell – in einer Zeit, in der Ressourcen dringend gebraucht werden.

 

Miriam O´Connor (Team-Lehrkraft an der GS Lochham)